Kurz vor unserem Bikeurlaub letztes Jahr im August, habe ich mich für meinen ersten MTB Kurs entschieden. Ich wollte meine Basics stärken und ein besseres Körpergefühl kriegen.
Manchmal werde ich als pingelig bezeichnet, aber wenn ich mich für etwas entscheide, dann mit voller Überzeugung. So bin ich über Instagram bei Björn von der Bikeschule Bike Therapy im Sauerland gelandet. Ich hatte mir seine Website und seinen Instagram-Auftritt angeguckt und dabei das Gefühl, das könnte passen.
Die Terminvereinbarung lief sehr einfach und ich hatte Glück, dass noch genau vor dem Urlaub ein Termin für ein 1:1 Privat Coaching frei war. Dabei habe ich Björn direkt darüber über einen einfachen Fragebogen informiert, was ich mir von diesem MTB Kurs für Anfänger erhoffte.
Als es endlich so weit war, hatte es genau an diesem Tag kräftig geregnet. Aber das machte nichts. Wir starteten sofort mit allem, was das Wetter zuließ. Glücklicherweise war das Trainingsgelände in Brilon dafür recht gut geeignet.
Vor Kursbeginn haben wir noch einmal genau besprochen, was mir persönlich beim Mountainbiken wichtig ist, was ich fahre (viele unterschiedliche Hometrails, Flowtrails und gelegentlich Bikeparks) und wie meine bisherigen sportlichen Erfahrungen sind. Björn hatte sofort verstanden, warum ich so steif auf dem Bike bin und konnte mir während des Kurses die Dinge so erklären, dass ich sie gut nachvollziehen konnte.

Was wir in diesem MTB Kurs geübt haben:
Bevor es in die Praxis ging, haben wir erst einmal auf mein Bike geschaut ob alles korrekt eingestellt ist. Björn erklärte mir worauf es dabei ankommt, wie ich selber darauf achten kann und ganz wichtig, wie ich es selbst einstellen kann.
Als nächstes ging es um meine Haltung auf dem Bike. Dafür stand mein Bike auf Holzpaletten und ich obendrauf. So konnte ich ein sehr gutes Gefühl für die Balance auf dem Bike bekommen.
Danach ging es ans Eingemachte. Wir haben Situationen simuliert, die im Gelände ganz real auftreten:
- Wie reagiert mein Körper, wenn plötzlich ein großer Stein auf dem Weg liegt?
- Wie ist mein Blick und mein Körper bei einer Kurve?
- Wie fahre ich enge Kurven, die tief nach unten gehen?
- Wie fahre ich über Hindernisse wie Stufen herauf und herab?
- Und wie fühlt es sich an steil langsam und kontrolliert bergab zu fahren?
1. Flach liegende Hindernisse umfahren
Aufgrund des wieder eintretenden Regens, starteten wir erst einmal unter der Überdachung. Ich bin mehrfach um ein flach liegendes Hindernis gefahren. Das kann im freien Gelände beispielsweise ein herumliegender Stein oder ein Baumstumpf sein, den ich umfahren muss.
Wahrscheinlich war ich dabei so gut, dass der Regen aufhörte und wir zu nächsten Übung übergehen konnten:)
2. Slalom fahren (Kurven)

Ein paar Meter weiter ging es ans Slalomfahren, um ein besseres Gefühl für Kurven, Balance, Blickführung und Gewichtsverlagerung zu bekommen. Erst lief es etwas holprig, doch je öfters ich die Übung machte, desto flüssiger wurde es.
3. Enge Kurven bergab und bergauf – Kotz

Danach kam etwas dran, was ich richtig ätzend fand. Warum? Weil mir enge bergabführende Kurven schon so manchen blauen Fleck und schmerzhafte Prellungen verpasst hatten. Aber genau dafür war dieser MTB Kurs schließlich auch gedacht. Elemente sicher zu fahren und Verletzungen durch unnötige Stürze vermeiden.
Somit hieß es jetzt Stück für Stück meine gehassten engen Kurven zu üben, sowohl bergab als auch bergauf. Zugegeben das fiel mir nicht leicht. Aber zumindest hatte ich danach das Handwerkszeug dies auf den Hometrails zu trainieren und im Geisskopf Bikepark erfolgreich auf einer für mich komplett neuen Line, der Mallet, sicher und vor allem mit Freude anzuwenden.
4. Überrollen von Hindernissen und Stufen fahren

Als das Holz etwas abgetrocknet war, durfte natürlich das Überrollen von Hindernissen und Stufenfahren nicht fehlen. Ich bin mehrfach über das Holz gefahren und konnte mit jeder Wiederholung ein besseres Verständnis aufbauen wie ich meinen Körper und meinen Blick dabei führen sollte.
5. Steile Abfahrten – but make it langsam und kontrolliert
Zum Abschluss durfte ich noch steile Abfahrten so kennenlernen, wie ich sie eigentlich fahren sollte. Ich glaube hier hatte ich eines meiner größten AHA-Erlebnisse. Vor dem Kurs sah meine Strategie bei steilen Abfahrten oft so aus: Finger weit weg von der Bremse, laut schreien und darauf vertrauen, dass alles gut ausgeht.
Aber hier sollte ich möglichst langsam und sicher hinunterfahren und beide(!) Bremsen so moduliert einsetzen, dass ich mich jederzeit kontrolliert und stabil fühlte. Insbesondere der bewusste Einsatz der Vorderbremse hatte mich echt überrascht.
Auch wenn ich dies bei „Mountainbike-Technik-Erklärvideos“ auf YouTube und Instagram bereits gesehen hatte, war es mir gerade bei dieser Übung wichtig, dass ein erfahrener Trainer daneben steht. Denn das einfach nur nach Abgucken zu üben, hätte für mich richtig gefährlich werden können.
Nach diesem MTB Kurs war ich nass, dreckig, müde und gleichzeitig sehr zufrieden. Ich bin mit mehr Verbindung zu meinem Körper, zum Untergrund und zum eigenen Tempo vom Bike gestiegen.
Nach dem MTB Kurs ist vor dem Üben
Dieses neue Vertrauen habe ich direkt mit in unseren Urlaub genommen. Auf verschiedenen Bike-Spots wie dem Ebertrail oder Geisskopf Bikepark konnte ich genau das anwenden. Kurven, Abfahrten, schwierige Passagen und das alles mit deutlich mehr Sicherheit und einem ganz anderen Gefühl im Körper.
Vor jeder Übung erklärte mir Björn den Zweck dieser Übung und wann ich sie unter realen Bedingungen brauche. Bevor er mir das Go gab, machte er sie glücklicherweise erst einmal vor, so dass ich den Ablauf der Bewegung auch sehen konnte. Zwischen meinen Abläufen haben wir immer wieder besprochen worauf ich mehr achten sollte, so dass ich gezielt nachjustieren konnte.
Ich bin Mountainbike-Anfängerin und sehe mich dort auch weiterhin. Denn für mehr Fortschritte müsste ich wesentlich mehr fahren, als ich es derzeit tue. Dennoch lege ich großen Wert darauf, Mountainbiken sicher zu fahren und ein Fahrtechnikkurs zählt für mich zum gesunden Mountainbiken dazu.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus dieser Erfahrung. Ich darf mir Zeit nehmen, bewusst lernen und ich darf mir Menschen an die Seite holen, bei denen sich Entwicklung leicht und sicher anfühlt.
Ich kann dir nur den Tipp nahelegen: Nimm dir Zeit bei der Coachingauswahl. Geld und wertvolle Zeit zu verschwenden haben wir alle nicht zu viel.
MTB Coaching – Darauf achte ich!
Bevor ich mich für einen Fahrtechnikkurs entschieden hatte, war mir Folgendes wichtig:
Ausbildung: Ist der Coach überhaupt Fahrtechniktraining oder ist er er nur selber viel gefahren und macht das nebenbei? Hat er eine Ausbildung? Kennt er sich mit Anatomie und Physiologie des Bewegungsapparates aus? Im Prinzip darf sich jeder Mountainbike Fahrtechniktrainer nennen.
Schlussendlich ist ein Zertifikat keine Garantie für einen guten Trainer. Am Ende schlägt für mich die Erfahrung alles. Dennoch ist ein Ausbildung immerhin ein Indikator, ob jemand solides Wissen besitzt.
Zeitliche Verfügbarkeit: Kann sich der Trainer flexibel an meine verfügbaren Uhrzeiten anpassen oder geht es nur zu „bürountypischen“ Zeiten. Das mag für einige passen, aber für mich nicht.
Digitale Präsenz: Ich schaue mir Websites, Instagram und Co. an. Klar, das ist nicht die Realität, aber es gibt mir ein gutes Gefühl dafür, ob die Chemie stimmen könnte.
Insbesondere die Art wie MTB Coaches bei mir in der Vergangenheit kommentiert haben oder mich bereits kontaktiert haben, gibt mir Aufschluss ob ich mit diesen Menschen überhaupt zusammenarbeiten will.
Selbstdarstellung: Wichtig war mir, dass es um mich geht und was ich überhaupt will beim Mountainbiken. Nicht darum, wie lange der Trainer schon fährt oder wie toll er ist.
Am Ende hat alles gepasst und wer neugierig ist und selbst mal einen Mountainbike Fahrtechnikkurs unter professioneller Anleitung ausprobieren will, kann sich bei Björn aka Doc Flow von der Bikeschule Bike Therapy die verschiedenen Kurse anschauen. Für mich war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung.
