Kurz vor unserem Bikeurlaub, habe ich mich für meinen ersten MTB Kurs entschieden. Ich wollte meine Basics stärken und ein besseres Körpergefühl bekommen.
Manchmal werde ich als pingelig bezeichnet, aber wenn ich mich für etwas entscheide, dann mit voller Überzeugung. So bin ich über Instagram bei Björn von der Bikeschule Bike Therapy im Sauerland gelandet. Ich hatte mir seine Website und seinen Instagram-Auftritt angesehen und dabei das Gefühl, dass das gut passen könnte.
Die Terminvereinbarung lief sehr einfach und ich hatte Glück, dass noch genau vor dem Urlaub ein Termin für ein 1:1 Privat Coaching frei war. Dabei habe ich Björn gleich über einen einfachen Fragebogen informiert, was ich mir von diesem MTB Kurs für Anfänger erhoffte.
Als es endlich so weit war, hatte es ausgerechnet an diesem Tag kräftig geregnet. Aber das machte nichts. Wir starteten sofort mit allem, was das Wetter zuließ. Glücklicherweise war das Trainingsgelände in Brilon dafür gut geeignet.
Vor Kursbeginn haben wir noch einmal genau besprochen, was mir persönlich beim Mountainbiken wichtig ist, was ich fahre (viele unterschiedliche Hometrails, Flowtrails und gelegentlich Bikeparks) und welche sportlichen Erfahrungen ich bisher gesammelt hatte.
Björn hatte sofort verstanden, warum ich so steif auf dem Bike bin, und konnte mir die Dinge während des Kurses so erklären, dass ich sie gut nachvollziehen konnte.

Was wir in diesem MTB Kurs geübt haben:
Bevor es in die Praxis ging, haben wir erst einmal mein Bike angeschaut und überprüft, ob alles korrekt eingestellt ist. Björn erklärte mir, worauf es dabei ankommt, wie ich selbst darauf achten und, ganz wichtig, die Einstellungen eigenständig vornehmen kann.
Als Nächstes ging es um meine Haltung auf dem Bike. Dafür stand mein Bike auf Holzpaletten und ich obendrauf. So konnte ich ein sehr gutes Gefühl für die Balance auf dem Bike bekommen.
Danach ging es ans Eingemachte. Wir haben Situationen simuliert, die im Gelände ganz real auftreten:
- Wie reagiert mein Körper, wenn plötzlich ein großer Stein auf dem Weg liegt?
- Wie ist mein Blick und mein Körper bei einer Kurve?
- Wie fahre ich enge Kurven, die tief nach unten gehen?
- Wie fahre ich über Hindernisse wie Stufen herauf und herab?
- Und wie fühlt es sich an steil langsam und kontrolliert bergab zu fahren?
1. Flach liegende Hindernisse umfahren
Aufgrund des wieder einsetzenden Regens starteten wir erst einmal unter der Überdachung. Ich bin mehrfach um ein flach liegendes Hindernis gefahren. Das kann im freien Gelände beispielsweise ein herumliegender Stein oder ein Baumstumpf sein, den ich umfahren muss.
Wahrscheinlich war ich dabei so gut, dass der Regen aufhörte und wir zur nächsten Übung übergehen konnten. 🙂
2. Slalom fahren (Kurven)

Ein paar Meter weiter ging es ans Slalomfahren, um ein besseres Gefühl für Kurven, Balance, Blickführung und Gewichtsverlagerung zu bekommen. Erst lief es etwas holprig, doch je öfter ich die Übung machte, desto flüssiger wurde es.
3. Enge Kurven bergab und bergauf – Kotz

Jetzt kam etwas dran, was ich richtig nervig fand. Warum? Weil mir enge, bergab führende Kurven schon so manchen blauen Fleck und schmerzhafte Prellungen verpasst hatten.
Aber genau dafür war dieses Coaching schließlich gedacht. Elemente sicher zu fahren und Verletzungen durch unnötige Stürze zu vermeiden.
Somit hieß es jetzt, Stück für Stück meine gehassten engen Kurven zu üben, sowohl bergab als bergauf. Zugegeben, das fiel mir nicht leicht. Aber zumindest hatte ich danach das Handwerkszeug, um genau das auf meinen Hometrails weiter zu trainieren und später im Geisskopf Bikepark erfolgreich auf einer für mich komplett neuen Line, der Mallet, sicher und vor allem mit Freude anzuwenden.
4. Überrollen von Hindernissen und Stufen fahren

Als das Holz etwas abgetrocknet war, durften natürlich das Überrollen von Hindernissen und das Stufenfahren nicht fehlen. Ich bin mehrfach über das Holz gefahren und konnte mit jeder Wiederholung besser verstehen, wie ich meinen Körper und meinen Blick dabei führen sollte.
5. Steile Abfahrten – but make it langsam und kontrolliert
Zum Abschluss durfte ich noch steile Abfahrten so kennenlernen, wie ich sie eigentlich fahren sollte. Ich glaube, hier hatte ich eines meiner größten Aha-Erlebnisse.
Vor dem Kurs sah meine Strategie bei steilen Abfahrten oft so aus: Finger weit weg von der Bremse, laut schreien und darauf vertrauen, dass alles gut ausgeht.
Aber hier sollte ich möglichst langsam und sicher hinunterfahren und beide(!) Bremsen so dosiert einsetzen, dass ich mich jederzeit kontrolliert und stabil fühlte. Insbesondere der bewusste Einsatz der Vorderbremse hat mich echt überrascht.
Auch wenn ich das in „Mountainbike-Technik-Erklärvideos“ auf YouTube und Instagram bereits gesehen hatte, war es mir gerade bei dieser Übung wichtig, dass ein erfahrener Trainer daneben steht. Denn das einfach nur nach Abgucken zu üben, hätte für mich richtig gefährlich werden können.
Am Ende des Tages war ich nass, dreckig, müde und gleichzeitig sehr zufrieden. Ich bin mit mehr Verbindung zu meinem Körper, zum Untergrund und zu meinem eigenen Tempo vom Bike gestiegen.
Nach dem MTB Kurs ist vor dem Üben
Dieses neue Vertrauen habe ich direkt mit in unseren Urlaub genommen. Auf verschiedenen Bike-Spots wie dem Ebertrail oder dem Geisskopf Bikepark konnte ich genau das anwenden: Kurven, Abfahrten, schwierige Passagen und das alles mit deutlich mehr Sicherheit und einem ganz anderen Gefühl im Körper.
Vor jeder Übung erklärte mir Björn den Zweck und wann ich sie unter realen Bedingungen brauche. Bevor er mir das Go gab, machte er sie glücklicherweise erst einmal vor, sodass ich den Bewegungsablauf sehen konnte. Zwischen meinen Versuchen haben wir immer wieder besprochen, worauf ich mehr achten sollte, sodass ich gezielt nachjustieren konnte.
Ich bin Mountainbike-Anfängerin und sehe mich dort weiterhin. Denn für größere Fortschritte müsste ich wesentlich mehr fahren, als ich es derzeit tue. Dennoch lege ich großen Wert darauf, sicher Mountainbike zu fahren und ein Fahrtechnikkurs gehört für mich zum gesunden Mountainbiken dazu.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus dieser Erfahrung. Ich darf mir Zeit nehmen, bewusst lernen und mir Menschen an die Seite holen, bei denen sich Entwicklung sicher anfühlt.
Ich kann dir nur den Tipp geben. Nimm dir Zeit bei der Auswahl deines Coaches. Geld und wertvolle Zeit zu verschwenden, können wir uns schließlich alle nicht leisten.
MTB Coaching – Darauf achte ich!
Bevor ich mich für einen Fahrtechnikkurs entschieden hatte, war mir Folgendes wichtig:
Ausbildung
Ist der Coach überhaupt im Fahrtechniktraining ausgebildet oder ist er einfach selbst viel gefahren und macht das nebenbei? Hat er eine Ausbildung? Im Prinzip darf sich jeder Mountainbike-Fahrtechniktrainer nennen. Diese Bezeichnung ist gesetzlich nicht geschützt.
Schlussendlich ist ein Zertifikat keine Garantie für einen guten Trainer oder Trainerin. Am Ende zählt für mich die Erfahrung und die Fähigkeit sich auf unterschiedliche Menschen und auf ihre Bedürfnisse einzustellen.
Zeitliche Verfügbarkeit
Kann sich der Trainer flexibel an meine verfügbaren Zeiten anpassen oder geht es nur zu „bürountypischen“ Zeiten? Das mag für einige passen, für mich jedoch nicht.
Digitale Präsenz
Ich schaue mir Websites, Instagram und Co. an. Klar, das ist nicht die Realität, aber es gibt mir ein gutes Gefühl dafür, ob die Chemie stimmen könnte. Insbesondere die Art und Weise, wie MTB-Coaches in der Vergangenheit bei mir kommentiert oder mich bereits kontaktiert haben, gibt mir Aufschluss darüber, ob ich mit diesen Menschen überhaupt zusammenarbeiten möchte.
Selbstdarstellung
Wichtig war mir, dass es um mich geht und darum, was ich beim Mountainbiken überhaupt erreichen möchte. Nicht darum, wie lange der Trainer schon fährt oder wie toll er selbst ist.
Am Ende hat alles gepasst und wer neugierig ist und selbst mal einen Mountainbike Fahrtechnikkurs unter professioneller Anleitung ausprobieren will, kann sich bei Björn aka Doc Flow von der Bikeschule Bike Therapy die verschiedenen Kurse anschauen. Für mich war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

MTB Kurs – Ein Gedanke zum Schluss
Ein Fahrtechnikkurs ist für mich kein Nice-to-have. Er gehört genauso wie die richtige Schutzausrüstung oder ein gutes Bike zum gesunden Mountainbike-Start dazu.
Denn Techniken, die man falsch lernt, schleichen sich ein. Irgendwann sind sie schwerer wieder loszuwerden.
Ich habe meinen ersten Fahrtechnikkurs trotzdem erst nach etwa 1,5 Jahren gemacht und das war für mich genau richtig. In dieser Zeit bin ich nie alleine gefahren und konnte meine ersten Erfahrungen ganz ohne Leistungsdruck sammeln. Als ich dann gemerkt habe, dass ich meine Basics gezielt verbessern und sicherer fahren möchte, war für mich der richtige Zeitpunkt gekommen.
Genau deshalb habe ich mir auch bei der Auswahl meines Coaches Zeit genommen. Ich wollte jemanden finden, bei dem ich mich gut aufgehoben fühle, der meine persönlichen Ziele versteht und mir die Technik verständlich vermitteln kann.
Rückblickend war das für mich die richtige Entscheidung: Ich habe meine Basics gefestigt, mehr Vertrauen in mein Bike und meinen Körper bekommen und dabei eine Menge Spaß gehabt.
Hast du bereits einen MTB Kurs gemacht oder hast noch Fragen? Schreib mir gerne hier in den Kommentaren oder direkt auf Instagram. Ich freue mich auf deine Nachricht.
Alles Liebe, Vanessa
Für deinen nächsten Bikeparktag
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