Zeigt sich der deutsche Sommer mal ausnahmsweise mehrere Tage am Stück, will ich ihn bikemäßig auch voll auskosten und am Sonntag den Bikepark-Besuch nicht absagen müssen, nur weil ich am Samstag vergessen habe, mich einzucremen.
Für mich stellt sich die Frage nach Sonnenschutz beim Mountainbiken eigentlich gar nicht. Als gelernte Einzelhandelskauffrau mit der Fachrichtung Kosmetik und als Heilpraktikerin habe ich die Folgen von ungeschütztem Sonnenbaden bis ins kleinste Detail gelernt und gesehen. Angefangen von einer Haut wie Fensterleder bis hin zu lebensbedrohlichem Hautkrebs.
Die Sonne und ihre zwei Seiten
Für uns Mountainbiker ist die Sonne pure Lebensfreude und gleichzeitig eine natürliche Quelle für UV-Strahlen, die unserem Körper bei der Bildung von Vitamin D helfen. Das ist wichtig für stabile Knochen und ein starkes Immunsystem. Leider hat sie auch ihre Schattenseiten für Haut und Gesundheit.
Da wäre zunächst die Hautalterung in Form von Fältchen, Pigmentflecken und schlaffe Haut. Ehrlicherweise bin ich da ziemlich eitel unterwegs. Eine möglichst ebenmäßige Haut ist mir wichtig und durch jahrelange Pillen-Einnahme klappt das mit dem Ebenmäßigen bei mir ohnehin schon nicht mehr so ganz.
Die Pigmentflecken haben sich mit der Zeit doch entwickelt. Während sich Falten notfalls noch mit Botox oder Hyaluron behandeln lassen, ist eine sonnengeschädigte Haut nicht mehr wirklich zu retten. Vielleicht oute ich mich gerade als oberflächlich, aber ich zeige mich hier, wie ich wirklich bin.
Dann ist da natürlich der klassische Sonnenbrand, der durchaus schmerzhaft und unangenehm sein kann. Liegt zwischen zwei Touren nur eine Nacht statt einer ganzen Arbeitswoche, will ich am nächsten Tag nicht mit verbrannter Haut auf dem Bike sitzen. Außerdem steigt langfristig mit wiederholten Sonnenbränden das Hautkrebsrisiko. Besonders bei empfindlicher Haut. Gerade die Sonnenbestrahlung in Kindheit und Jugend spielt dabei eine große Rolle.
Eine Zeitmaschine habe ich leider noch nicht erfunden. Also bleibt uns nur die Gegenwart und Zukunft um mich gut zu schützen und das Hautkrebs-Screening regelmäßig wahrzunehmen.
Warum das gerade beim Biken so wichtig ist
Beim Mountainbiken halten wir uns oft stundenlang in der Sonne auf. Selbst im schattigen Wald sind wir nicht wirklich geschützt, weil Bäume nur etwa 20 Prozent der UV-Strahlung filtern. Dazu kommt, dass die Strahlung in den Bergen stärker ist, weil die Atmosphäre weniger abschirmt.
Pro 100 Höhenmeter steigt sie um 2 bis 3 Prozent. Bei 2000 Höhenmetern sind das schon 40 Prozent mehr UV-Strahlung als auf Meereshöhe und dafür müssen wir noch nicht mal in die Alpen. Willingen liegt auf 550, Winterberg auf 680 und Klinovec sogar auf 1244 Höhenmeter. Das ist schon eine andere Hausnummer, als wenn ich durch Leverkusen auf moderaten 60 Höhenmetern fahre.
Dazu kommt die Reflexion. Untergrund und Vegetation werfen die Strahlen zurück, besonders Wasser, Schnee und Sand. Meine Sand-Erfahrungen auf dem Bike beschränken sich zugegebenermaßen bisher nur auf die Sandsenke auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad in Lohmar.
Auch im Winter ein Thema
Im Sommer denke ich automatisch an Sonnenschutz. Bei einer Tour im Schnee an einem strahlenden Wintertag muss ich mich bewusst daran erinnern. Die Sonne wärmt dann zwar weniger. Doch die UV-Strahlung erreicht unsere Haut trotzdem.
Im Winter hat unsere Haut weniger Eigenschutz. Sie ist blasser, produziert weniger Melanin, und kalte, trockene Heizungsluft schwächt die Barriereschicht zusätzlich. Da nur das Gesicht frei bleibt, hält sich der Eincreme-Aufwand dafür in Grenzen.
So mache ich es
Bei den Sonnencreme hat sich zum Glück einiges getan. Die Zeiten, in denen alles fies und klebrig auf der Haut pappte, sind vorbei. Es gibt heute leichte Gele genauso wie reichhaltige Cremes für trockene oder empfindliche Haut. „Wasserfeste“ Sport-Sonnencremes sind dem Schweiß gegenüber resistenter.
Mit einem transparenten Sonnenschutz zum Sprühen habe ich schon so manchen Sonnenschutz-Muffel begeistert. Im Gesicht nehme ich eine leichte Creme mit LSF 50. Leicht meine ich dabei die Konsistenz und nicht den Schutz. Meinen Körper schütze ich mindestens mit einem 30er.
Ein Argument, das ich immer noch höre, dass man bewusst einen niedrigeren Lichtschutzfaktor nimmt, weil man ja braun werden will. Doch was bedeutet der LSF eigentlich?.
Jede Haut hat je nach Hauttyp eine eigene Schutzzeit, bevor sie zu verbrennen beginnt. Bei sehr heller Haut mit rotem oder blondem Haar kann das schon nach fünf bis zehn Minuten der Fall sein. Bei dunklerer, bräunlicher Haut eher nach vierzig. Der LSF verlängert genau diese Zeit. Bei einer Eigenschutzzeit von zehn Minuten und LSF 30 komme ich auf 300 Minuten geschützte Zeit. Ein niedriger Lichtschutzfaktor bedeutet also schlicht weniger Schutzzeit und mehr Risiko.
Die Kleidung übernimmt hier eine zusätzliche Rolle. Atmungsaktive, langärmelige Kleidung ist ein guter Sonnenschutz. Wegen meiner kleinen Zecken-Phobie trage ich ohnehin oft lange Jerseys und Hosen. Im Hochsommer greife ich gelegentlich gerne mal zum kurzärmeligen T-Shirt.
In den Pausen am Parkplatz, wenn der Helm abkommt, ist eine Kappe ein guter Schutz für den Kopf. Wird es beim Nach-dem-biken-Philosophieren mit anderen Bikern richtig warm, wechsle ich zu kurzer Kleidung und creme die vorher bedeckten Stellen noch mal nach.
Eine Sonnenbrille mit UV-Schutz schützt zusätzlich die Augen. Selbst klare Gläser bieten einen gewissen Schutz. Im Zweifel lohnt sich ein kurzer Check beim Hersteller. Wer wie ich im Bikepark auf Kontaktlinsen setzt, hat je nach Hersteller darüber ebenfalls einen Schutz.
Für Pausen zwischen den Abfahrten suche ich mir grundsätzlich schattige Plätze statt in der prallen Sonne zu stehen. Das kostet sonst unnötig Kraft, die ich lieber auf dem Trail lasse.
Lässt es sich einrichten lässt, verschiebe ich Hometrail-Touren gerne in die frühen Morgen- oder Abendstunden. Dann ist die Sonne weniger intensiv ist.
An Bikepark-Tagen klappt das natürlich nicht. Da möchten wir früh da sein für einen guten Parkplatz und am liebsten den ganzen Tag fahren.
Ist es sehr heiß, geht es für uns aber doch lieber in den Wald, als in einen Bikepark. Gerade an der Liftschlange oder während der Liftfahrt kann es sehr heiß werden und das ist mir ehrlicherweise mit Fullface Helm etwas zu viel.
Sonnenschutz beim Mountainbiken – Ein Gedanke zum Schluss
Sonnenschutz beim Mountainbiken ist für mich ein fester Teil der Vorbereitung. Für mein Hautgesundheit genauso wie für mein allgemeines Wohlbefinden auf dem Trail. Wenn wir die Freiheit des Bikens in der Natur genießen wollen, gehört der Schutz meiner Haut einfach dazu. Am Ende ist es für mich immer eine Kombination aus mehreren kleinen Gewohnheiten, die zusammen den Unterschied machen.
Die Sonnencreme ist dabei die Basis. Im Gesicht eine leichte Textur mit hohem LSF, am Körper mindestens einen 30er und beides ziehe ich nicht nur an den offensichtlich sonnigen Tagen vor jeder Tour durch.
Dazu kommt lange, atmungsaktive Kleidung, die einen Großteil der Haut ohnehin schon bedeckt, bevor überhaupt Creme nötig wird.
An besonders heißen Tagen ziehe ich eine Hometrail-Runde im schattigen Wald einer offenen, sonnenexponierten Strecke vor. Kappe und Sonnenbrille sind für mich mittlerweile selbstverständlich. Die Kappe schützt den Kopf in den Pausen und die Brille schützt die Augen während der ganzen Tour.
Wo es sich einrichten lässt, plane ich meine Zeiten bewusst. Da fahre ich lieber morgens oder in den Abendstunden, wenn die Sonne nicht auf voller Kraft steht. In den Pausen suche ich bewusst den Schatten, statt in der prallen Sonne zu stehen.
Keiner dieser Punkte ist für sich allein die Lösung, aber zusammen ergeben sie eine Routine, die sich mit der Zeit ganz von selbst einspielt und kaum noch wie Aufwand anfühlt.
Ich bin neugierig, wie du das erlebst. Schreib mir gern hier in den Kommentaren oder drüben auf Instagram. Alles Liebe, Vanessa
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