Ehrgeizig, diszipliniert, wenn sie etwas macht, dann macht sie es zu 100%. Das sind Eigenschaften mit denen ich immer beschrieben wurde.
Ich gebe zu, ich war immer stolz drauf, genau wie auf meinen inneren Drang zum Perfektionismus. Schließlich haben mich genau diese Eigenschaften immer wieder dazu bewegt, großartige Erlebnisse zu erzielen.
Aber irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich spürte, so wie es jetzt ist, fühlt es sich nicht richtig an. Ich schlief immer schlechter und ich konnte vor lauter To-dos im Kopf immer weniger den Moment genießen.
Der Mental Health Month Mai ist für mich ein echtes Anliegen. Körperliche Gesundheit verstehen wir. Wir wissen, dass Bewegung wichtig ist, dass Ernährung eine Rolle spielt und dass Schlaf keine Schwäche ist. Darüber reden wir und investieren viel Zeit und Energie.
Aber mentale Gesundheit? Die bleibt oft im Hintergrund, weil sie so schwer greifbar ist. Schließlich sieht man von außen nichts, denn man funktioniert ja.
Nur noch Funktionieren ist keine Kleinigkeit
Es gibt eine Art zu leben, die von außen völlig unauffällig aussieht. Man steht auf, erledigt, was zu erledigen ist und funktioniert im Job, in der Familie und im Alltag. Man macht Sport, isst halbwegs vernünftig und schläft irgendwie immer schlechter. Oft denkt man sich, das gehört einfach zum Älterwerden. Aber innerlich spürt man, dass es so nicht weitergehen kann.
Der Funktionsmodus hatte sich so subtil eingeschlichen, dass ich gar nicht bemerkte, wann ich aufgehört habe zu fühlen.
Stattdessen begann ich, mein eigenes Leben nur noch zu verwalten. Es fühlte sich zunehmend fremder an, als wäre es gar nicht mehr mein eigenes.
Was Cortisol mit uns macht und warum wir lernen müssen genauer hinzuschauen
Ich kenne die Theorie hinter Stresshormonen seit Jahren. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Wissen und Verstehen.
Chronischer Stress bedeutet, dass der Körper dauerhaft im Überlebensmodus ist und Cortisol produziert. Cortisol ist nicht böse. Es ist ein überlebenswichtiges Hormon. Kurzfristig macht es uns wach, fokussiert und handlungsfähig.
Aber dauerhaft erhöht greift es tief in unseren Körper ein. Es stört den Schlaf, destabilisiert den Blutzucker, hemmt die Regeneration und beeinflusst die Hormonbalance. Außerdem dämpft es das, was in der Neurowissenschaft als Fühlen beschrieben wird. Die Fähigkeit, im Moment zu sein, Freude zu empfinden und sich lebendig zu fühlen.
Stress kann sich vielfältig zeigen
Immer tiefer tauchte ich in das Thema ein und begann, mich bewusst mit meinem Leben und meinen Gedanken auseinanderzusetzen.
Äußeren Stress im Umfeld, das nicht mit unseren Werten übereinstimmt, können wir mit der Zeit oft klar erkennen.
Tritt trotz aller Bemühungen keine Besserung ein, lässt sich dieser Zustand nur durch eine konsequente Entscheidung ändern, wie eine Trennung oder Kündigung. Das ist zugegeben nicht leicht. Denn es bedeutet, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und die unangenehme, wenn auch bequeme Opferrolle zu verlassen.
Aber vieles was in unserem Körper als Stress gespeichert ist, nehmen wir oft gar nicht mehr bewusst war, wie innere Schuldgefühle, ein ständiges schlechtes Gewissen, Perfektionismus oder kritische Gedanken. Für den Körper wirken allerdings auch diese inneren Gedanken wie eine Bedrohung von außen.
„Stress ist kein Problem, es ist ein Signal!“
Genussmodus – was ich damit meine
Ich unterscheide für mich zwischen zwei Modi. Es gibt für mich den Funktionsmodus und den Genussmodus.
Ich möchte direkt eines klarstellen, Ich liebe den Funktionsmodus. Wenn ich bei einer Aufgabe Feuer und Flamme bin, hundert Prozent gebe und richtig in den Flow komme ist das ein Gefühl, das ich nicht missen möchte. Diese Energie, wenn alles läuft und man voll drin ist. Das ist nicht das Problem.
Das Problem entsteht, wenn die Balance kippt. Wenn der Funktionsmodus nicht mehr eine Wahl ist, sondern der Dauerzustand. Wenn man nicht mehr zwischen Vollgas und Loslassen wechseln kann, weil man verlernt hat, wie sich Loslassen anfühlt.
Im Genussmodus bin ich da. Ich schmecke das Frühstück. Ich spüre die Kälte auf der Abfahrt. Ich höre das Vogelgezwitscher auf dem Trail, ohne gleichzeitig die To-Do-Liste abzuarbeiten. Ich bin in meinem Körper, nicht nur in meinem Kopf.
Seither frage ich mich immer öfter, in welchem Modus ich gerade bin, um zu spüren, ob meine Balance stimmt.
Dabei geht es mir nicht um Selbstkritik, sondern um Bewusstsein zu schaffen und abends vielleicht noch etwas zu tun, was mir besonders gut tut wie ein kleiner Spaziergang, eine Gesichtsmaske mit Entspannungsmusik oder ein Film mit selbstgemachten Popcorn.
An manchen Tagen ist es auch andersherum. Wenn sich meine innere Dramaqueen meldet und behauptet, ich hätte den ganzen Tag nur funktioniert, nehme ich manchmal erst bewusst wahr: Ne ne ne, da waren auch Momente von Genuss dabei.
„Bewusstsein schafft Kontrolle und Kontrolle schafft Ruhe“
Wie ich mich selbst beim Mountainbiken wiedergefunden habe
Beim Mountainbiken hatte ich lange das Gefühl, dass beides irgendwie mitläuft. Der Spaß war riesig, das steht außer Frage.
Aber da war auch dieser selbst aufgelegte Druck. Was ich noch nicht kann oder auch was andere längst fahren.
Immer wieder tauchten in den sozialen Medien Kommentare auf oder ich erhielt gleich direkte Nachrichten in meinem Postfach, was ich doch alles falsch machen würde.
Ich weiß, in Social Media Kommentare sollte man ja eigentlich nicht zu viel reininterpretieren, aber trotzdem haben sie mich manchmal zum Nachdenken gebracht. Sie hatten etwas berührt, das ich selbst schon gespürt, aber noch nicht benannt hatte.
Erst als ich für mich entschied, Mountainbiken so zu erleben, dass es sich wirklich stimmig anfühlt, wurde der Trail wieder meiner.
Nicht mehr gemessen an dem, was ich können sollte, sondern an dem, was sich gut anfühlt. In diesem Moment hat sich etwas verändert. Es ging nicht länger um den Beweis für irgendetwas.
Mental Health Month – Ein Gedanke zum Schluß
Der Mai ist Mental Health Month und ich merke, dass dieser Begriff für viele immer noch etwas Abstraktes hat. Etwas, das andere betrifft, nicht einen selbst. Man ist ja nicht krank. Man funktioniert doch.
Aber mentale Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Zusammenbrüchen. Sie ist die Anwesenheit von Verbindung mit sich selbst, was man fühlt und was einem wirklich wichtig ist.
Was mir noch viel zu selten wirklich bewusst ist. Mentale Gesundheit lässt sich nicht vom Körper trennen.
Chronischer Stress, dauerhafter Druck oder dieses stille Gefühl, nie wirklich anzukommen, beeinflussen nicht nur, wie wir uns fühlen. Sie können deutliche Spuren in unserem Hormonsystem, Blutzucker, im Ausmaß unseres Bauchfetts und in unserem Energielevel hinterlassen.
Manchmal beginnt Veränderung ganz klein mit einer ehrlichen Antwort auf eine einfache Frage: Fühle ich mich in meinem Leben wirklich lebendig oder funktioniere ich nur?
Ich bin neugierig, wie du das erlebst. Schreib mir gern hier in den Kommentaren oder drüben auf Instagram. Alles Liebe, Vanessa